Im 2. Halbjahr der 2. Klasse ist es meist so weit: In Mathe steht das kleine Einmaleins an. Viel zu oft erlebe ich, dass die Kinder die Malreihen auswendig lernen müssen. Vorwärts. Rückwärts. Durcheinander. Am Ende gibt es eine Urkunde oder einen Einmaleins-Führerschein, und das Kind „kann“ nun offiziell das Einmaleins.
Warum das Auswendiglernen problematisch ist
In den Schulbüchern der 2. Klasse stehen die Malreihen hintereinander. Das Einmaleins wird also nach und nach erarbeitet, und meistens gehen die Mathelehrerinnen genauso vor. Was dabei zu beobachten ist: Das Kind kann die Aufgaben ähnlich einem Gedicht nur der Reihe nach aufsagen, oft in monotonem Rhythmus – 1 mal 6 gleich 6, 2 mal 6 gleich 12, 3 mal 6 gleich 18. Verkürzt zählt das Kind dann die Ergebnisse auf: 6, 12, 18, 24, 30, oft mithilfe der Finger.
Das kleine Einmaleins nur auswendig zu lernen reicht nicht aus. Ein Kind kann die Reihen dann zwar aufsagen, scheitert aber, sobald die Aufgabe anders gestellt wird (zum Beispiel __ • 8 = 24) oder beim Geteiltrechnen. Sinnvoller ist es, wenn ein Kind versteht, was beim Malrechnen passiert – etwa über konkrete Bilder wie „3 mal 4 Äpfel“. Voraussetzung ist außerdem, dass ein Kind sicher plus und minus rechnen kann, denn die Einmaleins-Aufgaben werden voneinander abgeleitet.
Dabei ist die Gefahr groß, dass sich das Kind an einer Stelle verzählt – und dann werden alle Folgeergebnisse falsch. Dieser Weg ist anstrengend und dauert lange. Das Kind ist nicht flexibel, weil es immer die ganze Reihe aufsagen muss.
Hat dein Kind das Einmaleins überhaupt verstanden?
Beim Aufsagen wird oft gar nicht hinterfragt, ob ein Kind verstanden hat, was beim Malrechnen passiert. Und das ist so wichtig. Weiß dein Kind, was die Malaufgabe bedeutet? Hat es ein mentales Bild von der Aufgabe im Köpfchen? Erst dann kann es sicher mit dem Einmaleins rechnen. Frag dein Kind gern mal, ob es dir erklären kann, was „6 • 7“ bedeutet.
Wichtig dabei: Ist dir das selbst klar? Ich spreche oft mit Müttern, die früher auch einfach die Malreihen auswendig gelernt haben. Deshalb begleite ich mit MeinMatheweg die Familien so, dass ich dir als Mama immer zuerst alles erkläre. Denn erst, wenn du im Thema bist, kannst du es deinem Kind sicher beibringen.
Welche Schwierigkeiten beim Auswendiglernen auftreten
Ohne Verständnis bleibt Mathe oberflächlich. Dein Kind kann die Ergebnisse vielleicht alle nennen – „4 mal 4 gleich 16“ oder „3 mal 8 gleich 24“ –, doch ändern wir die Aufgabenstellung, kann es sie nicht mehr lösen: __ • 8 = 24 oder 4 • __ = 36.
Ist deinem Kind nicht klar, was hinter dem Einmaleins steckt, versteht es auch das Geteiltrechnen nicht. Denn hier greifen wir immer auf das Einmaleins zurück und kehren die Malaufgaben um. Spätestens beim Geteilt mit Rest erkennst du, ob dein Kind versteht, worum es geht. Wenn die Aufgaben nicht gelöst werden können, ist deinem Kind gar nicht klar, was es berechnen soll. Hier solltest du sofort reagieren und dir Unterstützung suchen.
Beim Malrechnen ist es wie bei Plus und Minus: Abzählen oder Aufsagen ist kein Rechnen. Mathe lässt sich nicht wie ein Gedicht auswendig lernen, denn es baut alles aufeinander auf. Kennt ein Kind das Einmaleins auswendig, hat aber keine Vorstellung von den Aufgaben, kommt es nicht weiter – nicht beim Geteilt, nicht bei Textaufgaben und nicht beim Abwandeln der Malaufgaben.
Oft wird das in Tests gar nicht abgefragt. Das Kind kommt gut zurecht, hat gute Noten, und auch die Mamas sagen mir oft: „Aber das kleine Einmaleins klappt gut“ – gerade dann, wenn es sonst in Mathe nicht so gut lief. Beim genauen Hinschauen fällt mir dann oft auf, dass in Wirklichkeit gar kein Verständnis da ist.
Wie das Einmaleins wirklich geübt wird
Zwei wichtige Punkte möchte ich dir mitgeben, damit dein Kind mit Verständnis übt. Erstens: Hinter jeder Einmaleins-Aufgabe stecken Bilder oder Situationen. Dein Kind sollte diese Bilder kennen und wissen, was beim Malrechnen passiert. „Wir legen hier 3 mal 4 Äpfel hin.“ Dein Kind legt 4 Äpfel auf den Boden, daneben wieder 4, und noch einmal 4. „Schau mal, jetzt liegen hier 3 mal 4 Äpfel, also 12 Äpfel.“ Ihr könnt auch 5 mal in die Küche laufen und immer 2 Tassen holen (5 • 2 = 10) oder 3 mal aus dem Kinderzimmer 6 Legosteine holen (3 • 6 = 18).
Zweitens, und das ist entscheidend: Kann dein Kind sicher plus und minus rechnen? Denn erst, wenn die Plus- und Minusaufgaben bis 100 sicher gelingen, kann dein Kind das Einmaleins rechnend lösen. Wir leiten die Aufgaben nämlich voneinander ab: 10 • 8 = 80, also ist 9 • 8 = 72 (8 weniger). Ein Kind, das noch Schwierigkeiten hat, 80 – 8 zu rechnen, kommt hier an seine Grenzen. Auch Aufgaben mit Zehnerübergang gelingen dann oft nicht mehr: 6 • 6 = 36, also 7 • 6 = 42 (6 mehr).
Schau also genau hin, wenn ihr mit dem kleinen Einmaleins beginnt. Wenn dein Bauchgefühl dir schon länger sagt, dass Mathe schwierig ist, ist Auswendiglernen nicht die Lösung. Für den sicheren und schnellen Weg begleite ich Familien zum Kopfrechnen in Plus, Minus, Mal und Geteilt – so, dass es auch für die Mamas leichter wird und kein Kampf mehr mit den Hausaufgaben bleibt. Buch dir gern einen Termin zum Vorgespräch mit mir. Den Link zum Vorgespräch findest du hier: meinmatheweg.de/vorgespraech
Häufige Fragen
Soll mein Kind das Einmaleins auswendig lernen?
Auswendig können ist am Ende hilfreich, aber nicht als erster Schritt. Wenn ein Kind die Reihen nur auswendig aufsagt, ohne zu verstehen, was dahinter steckt, kann es die Aufgaben nicht abwandeln und versteht später das Geteiltrechnen nicht. Verständnis kommt zuerst, Automatisieren danach.
Woran erkenne ich, ob mein Kind das Einmaleins verstanden hat?
Frag dein Kind, was zum Beispiel „6 • 7“ bedeutet, oder stell die Aufgabe um: __ • 8 = 24. Wenn dein Kind nur die Reihe aufsagen kann, aber solche Aufgaben nicht löst, fehlt das Verständnis.
Was muss mein Kind können, bevor es das Einmaleins lernt?
Es sollte sicher plus und minus bis 100 rechnen können. Denn die Einmaleins-Aufgaben werden voneinander abgeleitet (zum Beispiel 9 • 8 = 72, weil 10 • 8 = 80 und dann 8 weniger). Ohne sicheres Plus und Minus bleibt nur stures Auswendiglernen.


